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Ob man die Argumentationslinien eines Gegenüber als „Schwarz-Weiß-Argumentation“ oder als „wohl abgewogen“ empfindet, hängt nicht zuletzt vom eigenen Standpunkt ab.

Ein in der Wolle gefärbter Neoliberaler wird ausgewogene Überlegungen zum Umfang des Sozialen in der Marktwirtschaft trotz allem als einseitig empfinden, ein dogmatischer Kernkraftgegner nimmt jeden Gedanken an irgendein Endlager als Provakation wahr.

In sofern ist durchaus verständlich, wenn der „dumme Old-Economy-Guy“ (Selbstbild frei nach Döpfner) Konstantin Neven DuMont und der offenbar schwer gekränkte Meedia-Mann Georg Altrogge die Welt des für klare Worte bekannten Online-Journalisten Stefan Niggemeier als in schwarz und weiß gemalt erkennen.

Was jedoch schon verwundert, ist der Umstand, dass sie das nun ausgerechnet anlässlich eines Textes erkennen, der als für meine Begriffe sanfte Replik auf die in jeder Hinsicht bemerkenswerte Leserbeschimpfung des stellvertretenden Chefredakteurs des Hamburger Abendblatt angelegt ist. Dass die beiden Herren dabei sogar den feinen Humor von Niggemeiers Überschrift übersehen, zeigt deutlich, wie verzweifelt verbohrt man im Umfeld bedruckten Papier offenbar wird.

Vielleicht noch kurz zur Sache: Mit ist es offen gesagt, herzlich egal, welche Experimente die Zeitungsverleger mit Paid Content machen. Ich tendiere dazu, ein Scheitern für wahrscheinlich zu halten. Sollten sie aber dennoch Erfolg haben und damit vielleicht sogar guten Journalismus finanzieren, umso besser.

Was ich jedoch zunehmend unerträglich finde, ist auf der einen Seite die Bettelei um staatliche Unterstützung – sei es direkt oder im Sinne eines Leistungsschutzrechtes – und zum anderen die inzwischen jedes Maß verlierende Dämonisierung von Aggregatoren, allen voran Google. Dass einer der wichtigsten deutschen Verlagsmanager Google des Diebstahls bezichtigen darf, ohne dafür auf breiter Front kritisiert zu werden, ist schon starker Tobak.

Nachtrag: Oh! Robin Meyer-Lucht hatte für Carta die gleiche Idee.