Artikel
64 Kommentare

xwitter – Xing will twittern. Oder so. (Update)

Mit der Marke Xing konnte ich von Anfang an nicht recht warm werden. Als die Netzwerk-Plattform noch openBC hieß, war das anders. Das Tool war neu, cool und ein bisschen exklusiv. Alles Zuschreibungen also, die sich auf dem Weg in den Mainstream abnutzen mussten.

Seither ist es Xing nicht gelungen, sich mit neuen positiven Werten in meinem Markengedächtnis festzusetzen. Zwischenzeitlich war Xing zwar unverzichtbar, aber  auch das verblasst angesichts von Facebook und LinkedIn zunehmend. Geblieben ist neben mehreren Negativposten inzwischen allenfalls noch seriös.

Doch ganz offenbar will man auch daran noch Raubbau betreiben: Seit gestern kursiert bei Twitter die Nachricht, es gebe nun auch bei Xing eine Möglichkeit, seine dortige Statusmeldung mit Twitter zu synchronisieren. Das von einigen Nutzer längst eingeforderte Feature war kurz zuvor vom großen Bruder aus Amerika LinkedIn ganz offiziell und erfolgreich eingeführt worden.

Bei Xing jedoch ist das Feature keineswegs offiziell. Die zugehörige Seite sieht aus, wie eine Fingerübung eines Hackerlehrlings und im About finden sich Sätze wie

“This software is in an experimental state, there’s absolutely no warranty and no guarantee for the availability of the site.”

oder gar

“Xwitter is based on XWS, the unfortunately unofficial XING API.”
(Hervorhebung von mir.)

Hinter der Seite steht jedoch keineswegs ein Hacker, sondern – laut eher unzureichendem Impressum – der Vice President Engineering Rails Andreas Gehret. Ein Umstand, den man zunächst kaum glauben mag, der sich allerdings nach einem Blick in dessen Twitter-Stream einigermaßen sicher verifizieren lässt.

Im Twitter-Stream finden sich dann allerdings auch Hinweise, dass das Tool vielleicht ein paar Dinge anstellt, die eher unerfreulich sind.

Twitter _ Andreas Gehret_ Das von @MartinAssmann gem ...

Darüberhinaus ist die Neuentwicklung offenbar schon nach Stunden vom Interesse der Xing-User überfordert. Der Herr Vice President stellt sogar in Aussicht,

“If I can’t [come up with a clever solution], Xwitter will only be available to a limited number of my friends.”

Kann mir bitte mal jemand erklären, wieso ein für Entwicklung zuständiger Vice President eines Unternehmens, das persönliche Daten von ein paar Millionen zahlenden Kunden verwaltet, in aller Öffentlichkeit an einer inoffiziellen API seines eigenen Unternehmens herumfrickelt, in Kauf nimmt, dass sich sein “private fun project” wie ein Lauffeuer via Twitter verbreitet und schon nach wenigen Stunden die erwartungsfrohe Kundschaft per “ihr seid meine Freunde nicht” ausschließt.

Ich gehöre nun wahrlich zu denen, die viel von selbständigen, experimentierfreudigen und ungeschützt sprechenden Mitarbeitern halten. Aber so geht das nun auch wieder nicht. Schon gar nicht seitens einer Führungskraft.

Eine meiner negativen Zuschreibungen für die Marke Xing ist übrigens Arroganz. Und diese hat ebenfalls am Wochenende neue Nahrung bekommen. Weil meine hinterlegte Kreditkarte abgelaufen war und man sich deshalb bei Xing um den nächsten Jahresbeitrag sorgen machte, erhielt ich folgende Mail:

“Ihre Premium-Mitgliedschaft bei XING wird am 27.11.2009 automatisch verlängert. Ihre Zahldaten sind leider ungültig (evtl. wird die Kreditkarte, die Sie bei der Buchung angegeben haben, zu diesem Zeitpunkt abgelaufen sein).
Bitte aktualisieren Sie rechtzeitig Ihre Zahldaten oder wählen Sie eine andere Zahlungsmethode, damit Ihnen keine zusätzlichen Kosten entstehen.”
(Auszug, Hervorhebung von mir.)

Vielen Dank für die freundliche Erinnerung, dass ich meinen Premium-Account eigentlich nur aus Bequemlichkeit noch nicht gekündigt hatte.

Nachtrag (14.12.09): Xing war das freie Experiment dann doch wohl nicht so geheuer und hat nun ein offizielles Labor eingerichtet, in dem die Anwendung weiter wachsen und gedeihen soll.

Veröffentlicht von

Ich bin Djure Meinen, ein 43 Jahre alt gewordener Digital Resident aus Büppel (Varel) am Jadebusen.

64 Kommentare

  1. Pingback: Pottblog

  2. Nur zur Info: Ich hab das Problem mit der Kreditkarte auch und die Forderung nach Nichteinzug ist jetzt 20,85. Das ist der normale Preis für die 3-Monats-Mitgliedschaft…

  3. Bei der Diskussion muss man ganz klar zwischen Person und Unternehmen trennen.

    Andreas Gehret schreibt auf xwitter.de dass es sich um ein privates Projekt handelt und weist auch auf das frühe, noch experimentelle Stadium der Applikation hin. Man muss also als Nutzer davon ausgehen, dass noch nicht alles zu 100% funktioniert und noch der ein oder andere Bug auftauchen kann. Für sein Engagement als Entwickler bin ich ihm auf jeden Fall dankbar. Wo wären wir heute ohne die vielen Web-Projekte, die überwiegend nach Feierabend entwickelt wurden?

    Ob man nun XING mag oder nicht, sei jedem selbst überlassen. Es zwingt einen ja niemand es zu nutzen. Fraglich ist, ob sich diese Diskussion hier auch so entwickelt hätte, wenn Andreas Gehret kein XING-Mitarbeiter wäre. Meiner Meinung nach hat er sich ausreichend von seinem Arbeitgeber differenziert, so dass ich nicht alle hier genannten Argumente nachvollziehen kann.

  4. @Martin Assmann: Nein! Die Diskussion hätte es überhaupt nicht gegeben, wenn Gehret kein Xing-Mitarbeiter wäre. Das ist doch ein wesentlicher Punkt der ganzen Diskussion.
    Es passt einfach nicht zur Marke Xing, dass ein leitender Mitarbeiter am Wochenende in aller Öffentlichkeit ein offensichtlich weithin nachgefragtes Feature testet, ein Aufsichtratsmitglied per Twitter zu dessen Weiterverbreitung beiträgt und man nach ersten Bugs und überraschend?! hoher Nachfrage in den “war doch nur Spaß”-Modus wechselt.
    Das ist in etwa so, also würde der Technikvorstand von Daimler Wasserstoff-E-Klassen in seiner Nachbarschaft verkaufen und im Moment als die Presse via Aufsichtsrat davon Wind bekommt, behaupten Daimler entwickle überhaupt keine Wasserstoff-Technologie.
    Ich wiederhole mich gerne: Ein Mitarbeiter in Gehrets Position kann überhaupt nicht privat oder inoffiziell handeln.

    Nebenbei: Wäre Andreas Gehret nicht in der Position, in der er ist, hätte es das Tool überhaupt nicht gegeben. Auf die genutzte API haben nämlich – hoffentlich – nur ein sehr überschaubarer Personenkreis Zugriff. Und zum Spaß in der Freizeit am besten überhaupt niemand. Immerhin gibt es die offiziell überhaupt gar nicht.

  5. Um noch mal eines klar zu stellen: Es ging mir mit meinem Beitrag nicht darum, ob Gehret oder Xing die Sicherheit von Nutzerdaten gefährdet haben. Ebenso wenig will ich in Frage stellen, dass ein Vorgehen wie das von Gehret – Programmierer probiert mal was Cooles aus – möglicherweise innovationsfördernd sein könnte.

    Die Frage ist einzig und allein, ob es zu Marke Xing passt, wenn ein leitender Mitarbeiter in seiner Freizeit auf eine inoffizielle API seines Unternehmens zugreift, um in aller Öffentlichkeit (vermeintliche) Killerfeatures auszuprobieren, die sich dann überraschend* als “privater Spaß” herausstellen.

    * Wendet ruhig ein, das sei nicht überraschend, weil es von Anfang an dort so gestanden hat. Das ist – wie weiter oben bereits mehrfach erläutert – nicht relevant.

  6. Moin Djure,
    ich habe schlaflos wach gelegen und nachgedacht. Hier noch einmal ein neuer Ansatz, nachdem ich gestern ja nur faktisch geantwortet habe.

    Stell dir Wolfgang bei Achtung/Edelman oder Sachar bei Scojo oder Nico bei S&F vor. Oder dich oder mich. Wir alle begeben uns beim Thema Social Media jeden Tag in Gefilde, wo oft nicht absehbar ist, ob das andere Ufer erstrebenswert ist, erreicht werden kann oder gar nicht existiert.

    Ein Schelm wer vermutet, das jeder (außer mir natürlich ;-) ) genau weiß, wo seine Tumblr, posterous, wordpress.com-Karteileichen liegen, wie Nebenprojekte ausgehen und ob ein Artikel nicht morgen negativ in der Bild-Zeitung steht. Fast alle haben einen Disclaimer auf dem Blog, “ich bin nicht die Firma, hier steht meine Meinung”. But when the shit hits the fan scheint es, als könnte diese Verknüpfung nicht gelöscht werden. Jedenfalls könnte man deinen Beitrag so interpretieren.

    Lösung? Fällt mir jetzt gerade auch nicht ein.
    Hat Xing ein Vertrauensproblem? Kann nur jeder für sich beurteilen.

  7. @Sebastian: Ich hoffe, Du hast nicht deswegen hier schlecht geschlafen ;-)

    Im übrigen hast Du völlig recht. Fehler passieren, sie werden entdeckt und wenn es dumm läuft, trifft ein “habt ihr sie noch alle?”-Post wie meiner hier auf einen Kruseischen Resonanzraum: http://s.50hz.de/2j
    Der war in diesem Fall gekennzeichnet durch die Faktoren “Killerfeature”,”Vice President”, “Aufsichtsratsmitglied”, “inoffizielle API”…, die auf den Nährboden einer polarisierten Markenwahrnehmung fielen.

    Was Xing tun könnte? Kommunizieren wäre ein Anfang. “War ein Fehler, wir überprüfen unsere Prozesse, haben die Bedeutung des Features verstanden, wird mit Hochdruck entwickelt.”
    Ich bin der letzte der eine ausgeprägte Fehlerkultur als Schwäche auslegt.

    Ob Xing ein Vertrauensproblem hat? Ich glaube eher nicht. Sie haben (schon lange) eine Kommunikationsproblem. Zumindest dann, wenn sie sich mit ihrem Tool an der Schnittstelle zum Social Web positionieren wollen. Wollen sie aber ja vielleicht gar nicht.

  8. @Projektierer:

    Komisch, ich dachte ich hätte Argumente (= bewertete Fakten) gebracht. Bitte hake gern nach. Ich gackere nur nicht gern über ungelegte Eier und bei manchen Inhalten gibt es in der Tat NDAs (Die aber nur für Fakten gilt und nicht für meine Meinung zu Bestehendem und Bekanntem).

    Aber nochmal präziser, wenn auch diplomatisch: Mir ist nicht bekannt, dass es bei XING unerwünscht ist, dass XING-Dozenten der “Offiziellen Seminare” auch zu Twitter, Linkedin, Myspace oder Facebook o.ä. schulen.

  9. @ OliverG

    Ich lese als Argument nur, dass Du Trainer bist. Normative Kraft des Faktischen? Deine Hobbies sind aber Off Topic (auch wenn Du das gern betonst). Ich wollte eigentlich nicht über Deine Trainer Tätigkeit diskutieren, die geht mich nichts an. Gehe bitte auf meinen Beitrag ein, oder lasse es. Danke.

    Projektierer

  10. @OliverG, @Projektierer: Hmm? Vielleicht macht ihr das mal bei nem Bier unter Euch aus? Ihr driftet doch ziemlich vom Thema ab.

  11. @Djure @Projektierer

    Ich dachte ich wär beim thema und ich dachte auch ich sei auf das Posting eingegangen.

    Wenn dem nicht so ist, dann bitte KONKRET.

    Hauptargumente (in meine Richtung) waren (soweit ich das verstanden habe):

    a) “Du als XING-Trainer/Ambassador musst das so sehen.” Ich: ich MUSS nicht, ich trainere ncht nur sondern AUCH XING. Und ich trainiere auch nicht nur. Und Networking hab ich schon gemacht da lang XING noch als Quark im Schaufesnter.

    b) Weiter in meine Richtung: “Denk mal über Linkedin-Schulungen nach” – Ich: Die XING-Trainer (und auch ich) denken über vieles nach. (Aktuell wird es aber nicht nachgefragt, Linkedin schon gar nicht – Facebook und Twitter durchaus.)

    Zur Strategie, Markt-Wumms oder Wasauchimmer von XING (was sonst noch Thema im Beitrag von projektierer war) kann ich wenig sagen, ich bin ja nicht XING ;)

    Insofern waren wir durchaus beim Thema, wenn Rückfragen sind: Bitte wie gesagt konkert und nicht ‘wo sind die Fakten’ oder sonstwas.

    Soweit unklar?

  12. Mal im Ernst, wer liest denn schon Statusmeldungen? Ob die jetzt von twitter kommen oder in xing angezeigt werden oder cross platform sind?
    Das ist doch banal.

  13. Schwer zu sagen wer sie liest, aber wenn so ein Link was man da ‘statust’ 50 mal angeklickt wird von leuten, dei vorher entscheiden haben, dass sie in deinem Netzwerk sein wollen/dich lesen wollen, dann ist das ggf. nicht ganz irrelevant.

    Da ich schon im Dez 2006 bei twitter war fanbd ich den XINGstatus erst nicht *arg* spannend (z.B. weil er keien History hat). Bis mir immer wieder Leute erzählt haben, was sie da über jemand gelesen haben. Das scheint doch stärker genutzt zu werden als man denken würde…

Kommentar verfassen