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Der Ruf der Deutschen Bahn ist eigentlich kaum mehr zu beschädigen. Die Mehdorn’schen Hausjuristen haben es trotzdem geschafft. Markus Beckedahl, der Macher von netzpoltik.org, wird unmissverständlich gebeten, ein von ihm veröffentlichtes Memo von seinen Seiten zu entfernen und eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben.

Aus kommunikativer Sicht ist das eine unfassbar dämliche Aktion. Das Memo kursiert seit Tagen durch die Redaktionen des Landes, der Inhalt ist weitgehend bekannt und die Details zwar amüsant, für den Massengeschmack aber eher nebensächlich bis unverständlich. Natürlich ist nachvollziehbar, dass die Bahn ein solches Memo lieber nicht um Umlauf sähe. Doch dazu hätte es wohl nie verfasst werden dürfen.

Einen Blogger jetzt unter Druck zu setzen, geht auf jeden Fall vollständig nach hinten los. Statt die Wirkung des Dokuments zu minimieren, verbreitet es sich jetzt rasend schnell in der gesamten Blogosphäre und darüber hinaus. Und es dürfte nur ein Frage von Stunden sein, bis die Mainstream-Medien den Fall aufgreifen.

Mann! Ich bin echt sauer. Es ist doch nun wirklich kein Geheimnis mehr, dass die alten Rezepte der Informationsunterdrückung nicht mehr funktionieren. Seit Jahren laufen wir durch Agenturen und Unternehmen und beraten sie dahingehend. Hört uns denn keiner zu? Ich fasse es nicht.

Besonders putzig an der ganzen Sache finde ich, dass es sich gar nicht um ein Memo der Bahn, sondern um eines des Berliner Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit handelt. Damit handelt es sich um einen Vorgang, der nach den Grundsätzen der Informationsfreiheit ohnehin über kurz oder lang öffentlich zugänglich gemacht werden müsste.

Wer sich das Brouhaha in seiner ganzen Breite anschauen möchte: Hier entlang!

Nachtrag: Gutes  Interview mit Markus bei der Zeitrafferin.

Nachtrag 2: Wunderbare Analyse von Robin Meyer-Lucht, warum die Bahn nur verlieren kann.

Nachtrag 3: Cool. Markus bleibt hart und bietet der Bahn die Stirn. Endlich mal.