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Wenn wir uns in einer nahen (oder hoffentlich) noch fernen Zukunft fragen, wie es wieder einmal so weit kommen konnte, dann werden wir uns vielleicht an die zurückliegenden Tage erinnern.

Dass nicht unwesentliche Teile unserer Gesellschaft einem krausköpfigen Populisten auf den Leim gehen, ist schlimm aber erklärbar.

Doch es macht mich fassungslos, wie weite der Teile der Medien, wichtige Kreise in den Volksparteien und selbst bislang (mir) unverdächtige Intellektuelle (Dohnanyi, Matussek) nicht erkennen, dass sie eine Grenze überschreiten.

Ich will einmal zugestehen, dass es in Berlin oder Duisburg ganze Stadtteile und in Varel ein oder zwei Straßen gibt, in denen die Luft brennt, weil Integration dort gescheitert ist. Natürlich gilt es, darüber zu reden und zu streiten, wie wir damit künftig umgehen wollen. Und möglicherweise stellen wir dabei fest, dass wir härter – was immer das heißen mag – werden müssen, als manchem Grünen oder Sozialdemokraten das schmeckt.

Doch selbst wenn wir in Neukölln am Rande des Bürgerkriegs stünden: Ich kann und werde ich nicht akzeptieren, über Thesen eines Mannes zu sprechen, der fahrlässig mit der angeblichen Vererblichkeit von Intelligenz und dem Einfluss religiöser Zugehörigkeit argumentiert und leichtfertig über die genetische Disposition von Juden faselt. Denn letztlich bereitet er damit den Weg in eine Gesellschaft, die Rechtspopulisten nicht nur ein bisschen Teilhabe, sondern am Ende wieder die ganze Macht gewährt.

Deshalb: Wir können gerne und hart über Integration diskutieren. Aber nicht jetzt. Nicht mit Thilo Sarrazin und auch nicht auf Basis irgendeiner von ihm aufgestellten These.

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