Artikel
0 Kommentare

Käseblatt

Wie fühlt man sich eigentlich – lieber CvD der NWZ – , wenn in der Zeitung von heute mit den Nachrichten von vorgestern der eigene bitterböse Leitartikel steht und man dann feststellen muss, dass man einmal mehr den Deppen einer Nachrichtenagentur auf den Leim gegangen ist, die eine bebilderte Schlagzeile einer Boulevardzeitung für eine Nachricht gehalten haben?

Käsig?

Artikel
1 Kommentar

Ich bin schwul

Schwul zu sein, ist nach wie vor nicht so ganz einfach. Offene Schwulenfeindlichkeit gilt abseits radikaler Kreise zwar als politisch unkorrekt, aber unter einer dünnen Schicht öffentlicher Zurückhaltung brodelt eine ungute Mischung aus irritierendem Unwissen, Abneigung und Angst. Besonders für Heranwachsende alles andere als ein Klima, in dem sich sexuelle Orientierung und Sexualität frei entwickeln können.

Die Ressentiments gegenüber Schwulen rühren nicht zuletzt daher, dass Schwule im Alltag kaum eine Rolle spielen. Klar: In der Politik gibt es Guido Westerwelle und Klaus Wowereit. Im Fernsehen Dirk Bach und Hape Kerkeling. Aber sie sind prominente, oft ein wenig clowneske und vor allem nicht mehr ganz junge Ausnahmen. Vorbilder für 15jährige: Fehlanzeige. Ganz zu schweigen vom Profi-Fußball.

Der Ausweg aus dieser Situation wäre – vielleicht – ein vielfaches öffentliches Bekenntnis zweifelsohne existenter prominenter schwuler Köpfe aus Politik, TV, Schauspiel, Fußball… Doch ist dieser Ausweg gleichzeitig [Weiterlesen]

Artikel
3 Kommentare

Dieser Preis hat gefehlt: Deutscher Webvideopreis

Wow! Der @hrinrinde und der @videopunk drehen das ganz große Rad. Parallel zum Videocamp in Essen am 19. und 20. Februar veranstalten sie dieses Jahr erstmals die Webvideotage in deren Ende am Sonntag Abend der Deutsche Webvideopreis verliehen wird. Dafür haben sie sogar ein ganzes Kino gemietet. Die Moderation [Weiterlesen]

Artikel
1 Kommentar

Leistungsschutzgeld

Mit der gewohnten Schärfe der Argumente und der angemessenen Deutlichkeit im Ton schenkt Mario Sixtus der weinerlichen deutschen Verlegerszene das Silvester-Selters zu deren Lieblingsthema Leistungsschutzrecht ein:

“Wisst ihr was, Verleger? Haut doch einfach ab aus dem Web, wenn es euch hier nicht gefällt. Nehmt eure Texte mit und druckt sie auf Papier oder schickt sie meinetwegen per Fax weg. Denn: Euch hat niemand gerufen.”

Den ganzen Text gibt es bei carta. Und wer ich findet, dass man den Verlegern diesen Text ins erste Buch drucken sollte, kann das hier finanziell befördern. (Danke an @oetting, dass er das organisiert.)

Artikel
2 Kommentare

NWZ: Noch mal zu Anstand und Urheberrechten

Mit deutlich gebremstem Schaum setzte die NWZ gestern ihre Berichterstattung über die Tragödie in Hude fort. Statt ausgelöscht wird jetzt nur noch umgebracht. Trotzdem geht es munter weiter im fragwürdigem Boulevardstil.

In einem reich bebilderten Beitrag im Regionalteil wird vier Spalten lang die Trauer einer 15-jährigen Freundin des Toten Mädchens ausgebreitet. “Um ihren Brief [an die tote Freundin] niederzulegen, möchte Janine allein sein”, endet dieser Teil des Artikels. Uups. Und vorher? Wollte sie da wirklich mit der Autorin der NWZ sprechen? War ihr bewusst, was sie da tut? Und was sagen die Eltern der Minderjährigen dazu?

Auch wirkt die – korrekte – Kürzung des Nachnamens der Toten reichlich lächerlich, wenn im gleichen Artikel die vollständige Adresse des Einfamilienhauses der Familie aufgeschrieben steht und erneut unverpixelte Fotos aller Opfer abgedruckt werden. Besonders interessant in diesem Zusammenhang: Fotos die am Freitag noch von “Privat” oder aus dem “Internet” stammten – und für die vermutlich keine Nutzungsrechte vorliegen – kommen am Sonnabend schon aus dem Archiv.

Artikel
5 Kommentare

Ausgelöscht?! Der Anstand in Reihen der NWZ

Vier Menschen sind tot. Gestorben in der Kleinstadt Hude zwischen Oldenburg und Bremen. Vermutlich eines gewaltsamen Todes. Auf welche Weise und warum ist weitgehend unklar. Die Umstände legen jedoch nahe, dass es sich um eine innerfamiläre Tat handelt. So weit,  so traurig.

Über den Fall ließe sich knapp und sachlich berichten. Aber das ergäbe weder eine Titelgeschichte noch wäre es Anlass für ein “Spezial” im Internet, mindestens 4 “Bildstrecken” mit bis zu 23 weitgehend aussagelosen Fotos und einen länglichen Beitrag auf NWZ TV.

Also besinnt man sich bei unserer Nordwest-Zeitung auf seine boulevardesken Fähigkeiten und spekuliert – vermutlich nach investigativerpenetranter Befragung von Nachbarn und Einsatzkräften – munter ins Blaue. Und damit das ganze ordentlich nach Qualm riecht, titelt man mit dem Wörtchen ausgelöscht.

Doch damit nicht genug. Natürlich müssen auch Bilder von Menschen her. Auf dem Titel der NWZ finden sich derer drei, deren Bildunterschriften nichts Gutes verheißen. Ich übersetze mal frei ins Deutsche: “Privat” steht vermutlich für “der Nachbarin abgeschwatzt” und “Internet” heißt “aus dem schülerVZ oder Facebook-Profil entwendet”. Beim dritten Foto steht “Archiv”. Im Beitrag von NWZ TV wird das gleiche Bild mit der Quelle “NWZ Inside” untertitelt. Damit hat der Verlag hier zumindest mal die Nutzungsrechte.

Doch warum überhaupt Bilder der Toten? Warum überhaupt Spekulation? Warum überhaupt eine Titelgeschichte? Gibt es irgendein öffentliches Interesse über die reinen Fakten hinaus, so lange nicht klar, ob dritte beteiligt sind?

Nein! Gibt es nicht. Es gibt nur das Interesse, mit dem Schicksal von Menschen Auflage zu machen. Und offenbar keine Skrupel, das Leid unmittelbar Betroffener hintan zu stellen.

Liebe Leute bei der NWZ. Ich bin bekanntlich wirklich gutwillig mit Euch. Aber mit Grenzüberschreitungen dieser Art verbraucht ihr eine Menge Kredit. Ich finde sogenannten Journalismus dieser Art nämlich einfach zum Kotzen.