[11. Mai 2012 | Ein Kommentar | 379 Leser]
Landkreis Friesland vor Einführung von Liquid Feedback

In Sachen Internet bin ich bei meinem Landkreis ja durchaus kritisch. Das ausgerechnet wir die ersten sein mussten, die aus Datenschutzgründen bei Facebook aussteigen, hat mich wirklich sehr geärgert.
Jetzt könnte der Landkreis Friesland einmal mehr erster sein. Diesmal mit einer (hoffentlich) positiven Entwicklung. Mit der Vorlage 0097/2012 wird die Einführung von Liquid Feedback vorbereitet. Bekannt ist dieses Instrument der Online-Bürgerbeteiligung bislang vor allem als “(Teil-)Betriebssystem” der Piratenpartei.
Mein erste Reaktion schwankte zwischen freudigem Entsetzen und skeptischer Begeisterung. Mein Landkreis als Innovator in Sachen Internet?! Aber wie soll das funktionieren? Nach ersten Gesprächen …

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Berliner Politik, Vom Jadebusen »

[14. April 2012 | 2 Kommentare | 845 Leser]

Die Nordwest-Zeitung titelte gestern “Grüne fürchten Piraten nicht“. Gut so. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Im übrigen war ich auch schon vor Lektüre des Textes überzeugt, dass wir niedersächsischen Grünen uns vor allem vor uns selbst erschrecken sollten.

Zu netzpolitischen Fragen sucht man bei uns überwiegend vergebens nach Antworten. Viel dramatischer ist jedoch, dass unserem Spitzenpersonal und weiten Teilen der Mitgliederschaft die Kompetenz fehlt, in die Lebenswelt durch das Internet geprägter Wählergruppen vorzudringen. Ein Schicksal, das wir mit anderen etablierten Parteien teilen, das uns jedoch umso mehr trifft, als junge Wähler die Basis unseres künftigen immer größeren Erfolges darstellten.

Die von der Landesvorsitzenden Anja Piel ausgegebene Parole “Weiter wie gehabt!” wäre wohl der Anfang vom Ende des Traums von mehr Grün im niedersächsischen Landtag.

Es wird nicht genügen, dass wir inhaltlich gut aufgestellt sind. Inhalte sind nicht die Basis für den Erfolg der Piraten. Es ist vielmehr ihre Kompetenz, Politik als Prozess zu begreifen, an dem alle beteiligt sind. Eine Kompetenz, die die Grünen unter dem Schlagwort Basisdemokratie übrigens einmal für sich beanspruchten, die aber mangels geeigneter Betriebssyteme mittlerweile der Effizienz geopfert wurde.

Die inhaltlichen Leerstellen der Piraten werden sie deswegen auch nicht entzaubern, wie der Landesvorsitzende Jan Haude in der NWZ hoffnungsvoll äußert.

Wir Grünen brauchen einen dramatischen Sinneswandel. Wir müssen auf breiter Front endlich akzeptieren, dass das Internet nicht nur irgendein neues Kommunikationsmittel für politische Botschaften ist, sondern dass es gesellschaftliche Strukturen komplett durcheinander wirbelt, lieb gewonnene Gewissheiten in Frage stellt und unsere Parteiendemokratie ernsthaft herausfordert.

Das wird nur gelingen, wenn wir uns intensiv befassen und einlassen. Wir brauchen eigene Erfahrungen, die über das Einstellen von Pressmitteilungen auf Facebook und Twitter sehr weit hinausgehen. Wir müssen viel lesen und lernen.

Zum Auftakt empfehle ich die Lektüre zweier Texte (1, 2) von meinem Freund und Hamburger Grünen Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach inklusive der von ihm dort verlinkten Beiträge, insbesondere den von Nessy und der piratenverliebten Grünen Nina Galla.

Nachtrag: Der Landesverband lässt sich ein Stück weit auf die Diskussion ein. Hier bei Facebook.

Vermischtes »

[12. März 2012 | Kein Kommentar | 842 Leser]

Wir haben zwei ganz wunderbare Kinder im Grundschulalter. Doch trotz schöner Beispiele im Freundeskreis, dass auch vier oder gar fünf Kinder nicht nur machbar, sondern große Freude sein können, will ich es dabei belassen.

Obwohl…

(via Kraftfuttermischwerk)

Social://Media »

[9. März 2012 | Kein Kommentar | 1.001 Leser]

In nahezu jedem meiner vielen Gespräche über das Internet, Social Media und Facebook kommt ganz unweigerlich das Thema Privatsphäre zur Sprache.

Als jemand, der aus Sicht der überwiegenden Mehrheit (viel zu) viel über sich, seine Arbeit, seine Familie und über Belangloses ins Internet schreibt, sehe ich mich regelmäßig mit Kritik, Erstaunen oder Entsetzten konfrontiert. Kritik, die mich persönlich, das Internet allgemein und natürlich Facebook trifft. Kritik aber auch, der ich mich gerne stelle und deren Diskussion ungemein wichtig ist.

Zwei Dinge sind aus  meiner Sicht bedeutend. Zum einen müssen wir uns gemeinsam den Veränderungen stellen. Das Internet ist ein Faktum, dessen grundlegende Konsequenzen sich nicht radikal ändern lassen. Dies betrifft auch die Erosion der Vorstellungen, die wir bislang von Privatsphäre hatten.

Zum zweiten zeigt ein kulturhistorischer Blick, dass diese Vorstellungen in der Vergangenheit weder von Stabilität noch von Konsens geprägt waren. Möglicherweise ist die Geschwindigkeit der Veränderungen derzeit einmalig. Die Veränderung an sich hat die Menschheit durch die gesamte Neuzeit begleitet.

Ich möchte jedem meiner Leser sehr herzlich empfehlen, sich diesen Vortrag von meinem Freund Wolfgang Lünenbürger anzuhören. Seine Ausführungen zum Privacy Divide sind eine hervorragende Grundlage, um künftig wirklich sachgerecht über Privatsphäre und deren Gefährdung zu sprechen.

Es ist echt Arbeit, Vom Jadebusen »

[16. November 2011 | Ein Kommentar | 2.461 Leser]

Nein! Ich bin kein Social-Media-Experte.

Ich bin ein gut ausgebildeter Volkswirt. Ich habe Beruferfahrung im Umfeld kommunaler Betriebe, ich habe am Aufbau eines Unternehmens für  Medienbeobachtung im Internet mitgewirkt und ich bin Blogger der zweiten und Social-Media-Nutzer der ersten Generation. Darüber hinaus sagt man mir nach, dass ich komplizierte Dinge so erklären kann, dass sie verständlich werden.

Mit diesem Hintergrund berate ich Unternehmen und Einzelpersonen, die ihre Berühungsängste beim Umgang mit dem Internet abbauen wollen, um so ihre Umwelt besser zu verstehen und besser verstanden zu werden.

Aber ein Social-Media-Experte bin ich nicht. Es sei denn…

… es der letzte Montag im Monat, 16.30 Uhr und ihr habt Radio Jade eingeschaltet. Dann startet nämlich der Servicepunkt Internet, in dem ich mit wechselnden Moderatoren über das Internet im Allgemeinen und Social Media im Besonderen plaudere.

Entstanden ist die Idee für diesen Servicepunkt nach einem Interview zum Facebook-Ausstieg des Landkreises Friesland. Seitdem bin ich monatlich Gast im Radio Jade-Studio in Jever.

Die Arbeit mit dem Team dort macht mir sehr großen Spaß und ich hege gemeinsam mit den Leuten des Senders die leise Hoffnung, dass mir eine paar Leute zuhören.

Wer sich einen Eindruck von dem Format verschaffen möchte, kann ja mal in diese Sendung zum Thema Twitter reinschnuppern:

Servicepunkt Internet: Twitter by Cultural Hacking

Radio Jade sendet auf der Frequenz 87,8 und ist auch online zu empfangen.

Vom Jadebusen »

[3. November 2011 | 3 Kommentare | 2.185 Leser]

Heute ist ein großer Tag. Nach den Kommunalwahlen am 11. September tritt heute ab 19.00 Uhr der Rat der Stadt Varel erstmals in seiner neuen Besetzung zusammen. Eine solche konstituierende Sitzung ist für sich genommen eine eher anstrengende Prozedur. Da folgen Pflichtbelehrungen auf Erklärungen auf unendlich viele Wahlen mit überwiegend absehbaren Ergebnissen.

Und dennoch empfinde ich das, was da heute Abend passiert, als einen feierlichen Akt, den man gar nicht genug würdigen kann. Die 25.000 Einwohner Varels haben in freien Wahlen 32 Frauen und Männer bestimmt, die jetzt 5 Jahre lang ganz wesentlich daran mitwirken können, wie sich unser Gemeinwesen weiterentwickelt. Diese 32 Ratsleute gestalten sich heute Abend selbst den Rahmen, in dem sie ihre Aufgabe wahrnehmen wollen. Gibt es ein stärkeres Symbol für das Wesen der Demokratie?

Dass ich einer der 32 sein darf, empfinde ich als einen der schönsten Aufträge, die ich bislang wahrnehmen durfte. Gleichzeitig habe ich Respekt vor der Aufgabe und der Verantwortung. Um ehrlich zu sein: Ich bin ziemlich aufgeregt. Und ich bin gespannt, wie ich in ein oder zwei Jahren über den Rat und mein Mandat denke.

Der Rat der Stadt Varel war in den letzten Jahren manchmal Ort unschöner Auseinandersetzungen, die zu vielen Verwerfungen in der politischen Landschaft geführt haben. Seine neue Zusammensetzung spiegelt diese Zerrissenheit in gewisser Weise wieder. Dennoch zeichnet sich mit der Zusammenarbeit von SPD und CDU eine stabile Basis für die Ratsarbeit ab. Teile der Opposition kritisieren diese Stabilität   …„Ab jetzt: Ratsherr” weiterlesen…

Berliner Politik »

[7. Juli 2011 | Kein Kommentar | 3.551 Leser]

Der Bundestag hat gerade entschieden, dass der weitestgehende Antrag zur Erlaubnis der sogenannten Präimplantationsdiagnostik (PID) Gesetz werden soll. Ich bedaure das zutiefst, da ich der festen Überzeugung bin, dass diese Erlaubnis ein weiterer Schritt auf dem Weg der Entfremdung vom “Mensch sein” bedeutet.

Meine Beweggründe für die Ablehnung der PID und auch die Antwort auf die Frage, warum ich gleichzeitig kein genereller Gegner von Abtreibungen bin, hat die Grüne Bundestagsabgeordnete Birgitt Bender auf ganz vortreffliche Weise in Worte gefasst:

“Ich verstehe, dass Paare, die z.B. Tot- oder Fehlgeburten erlebt haben, leiden und den Wunsch nach einem gesunden Kind verspüren. Diese Hoffnung kann die PID in wenigen Fällen erfüllen, jedoch zu einem hohen Preis. Eine Gesellschaft gleicher Rechte und Teilhabe ist nicht vereinbar mit der Freigabe der Vorabentscheidung über Leben, das gelebt oder nicht gelebt werden darf. Ein immer weiter um sich greifendes medizinisches Optimierungsstreben verletzt und stigmatisiert alle Menschen, die sich bewusst gegen die Idee der Machbarkeit entscheiden. Ein gewichtiges Argument gegen die PID sind ferner die internationalen Erfahrungen, nach denen eine Begrenzung auf Einzelfälle nicht möglich ist.”

Den ganzen Text von Biggi Bender gibt es hier.